URL: www.caritas-sozialwerk.de/aktuelles/presse/sylvia-breher-cdu-folgt-einladung-des-caritas-sozialwerkes-csw-nach-lohne-147dff2f-c184-4c6a-bf9a-74
Stand: 17.09.2018

Pressemitteilung

Sylvia Breher (CDU) folgt Einladung des Caritas-Sozialwerkes (CSW) nach Lohne

LOHNE (CSW). Die Weiterentwicklung der „Geschlossenen Intensivtherapeutischen Wohngruppe" (GITW) oder die Befundlage in der „Beratungsstelle für Werkvertragsarbeiter im Oldenburger Münsterland": Das Caritas-Sozialwerk (CSW) St. Elisabeth in Lohne als Träger beider Einrichtungen hat derzeit dringliche Themen zu bearbeiten. Grund genug, um die Bundestagsabgeordnete für das Oldenburger Münsterland, Sylvia Breher (CDU), diesbezüglich auf den neuesten Stand zu bringen.

Und die hatte viele Fragen im Gepäck, als sie am Donnerstagmittag (30. August) zunächst durch die Flure und den Innenhof der GITW in Lohne ging. „Wie sieht der Alltag der dort untergebrachten zehn- bis 14-jährigen, straffällig gewordenen Jungen aus?", „Wie sind die Sicherheitsvorkehrungen?", „Wie ist die Anschlussbetreuung geregelt?" oder „Arbeiten hier auch Frauen?".

Heribert Mählmann, Vorstandsvorsitzender des CSW, Reinhard Schwarze, Bereichsleiter „Kinder-, Jugend- und Familienhilfe" und Christine Themann vom Therapeutischen Dienst nutzten das große Interesse der Löningerin. Hatten sie Sylvia Breher doch aus eben diesem Grunde eingeladen: Um die Arbeit in der GITW greifbar und transparent zu machen sowie deren herausfordernde Arbeit und Bedeutung für die Gesellschaft öffentlichkeitswirksam zu transportieren.

Breher Besuchv.l.n.r.: Heribert Mählmann, Vorstandsvorsitzender Caritas-Sozialwerk; Reinhard Schwarze, Sylvia Breher; Peter OstendorfCSW/Wagner

Bevor es in das Gebäude der GITW in der Von-Stauffenberg-Straße ging, erläuterte Reinhard Schwarze der Besucherin zunächst die Hintergründe zur Entstehung sowie das pädagogisch-therapeutische Konzept der Einrichtung. Dieses richtet sich an bis zu sieben Kinder und Jugendliche, die entweder straffällig geworden oder halt- und orientierungslos sind, Verhaltensstörungen aufweisen oder für sich und andere eine Gefahr darstellen. Es ist die einzige dieser Art in Niedersachsen. „Die Kinder, die zu uns kommen, werden zunehmend jünger, ihre Biografien komplexer. Wöchentlich erreichen uns Anfragen aus dem gesamten Bundesgebiet", berichtete Schwarze. Und Christine Themann ergänzte: „Es gibt eine Versorgungslücke für diese Kinder, die niemand haben möchte."

Die niedersächsische Landesregierung hatte 2009 einen Träger für eine Geschlossene Wohngruppe für dissoziale und/oder hochdelinquente Kinder und Jugendliche gesucht – und war im Caritas-Sozialwerk in Lohne fündig geworden. Seither leistet das CSW wertvolle Hilfe zur Erziehung sowie Eingliederungshilfe dieser Kinder mit seelischen Behinderungen. Das Niedersächsische Landesamt für Soziales, Jugend und Familie nimmt dabei eine Aufsichts- und Beratungsfunktion wahr. Die Aufnahme in die GITW erfordert die Genehmigung eines Familiengerichts.

Reinhard Schwarze berichtete, der Alltag in der GITW sei häufig von Krisen der Kinder und Jugendlichen begleitet. „Wieviel Abschluss ist nötig, wieviel Freiheitsgewährung möglich? Um diese Frage zu beantworten, gilt es für uns, schnell eine Beziehung zu den Jungen und Vertrauen aufzubauen", so Schwarze. Sylvia Breher zeigte sich beeindruckt von der geleisteten Hilfe und dem Aufwand, den das CSW bei der Wohngruppe betreibt. „Die entscheidende Frage ist doch: Welche Wirkung zeigen diese Hilfen und wie können wir es schaffen, dass diese Jungen nicht erneut straffällig werden? Dafür braucht es ein ganzheitliches Unterstützungssystem", meinte sie. Als Heribert Mählmann von einem Termin im November mit dem Sozialausschuss im Niedersächsischen Landtag zum Thema „Zukunft und Weiterentwicklung der GITW" berichtete, sagte Breher spontan zu, dabei sein zu wollen. „Wir dürfen diese Kinder nicht im Stich lassen."

Anschließend berichteten die beiden Juristen Josef Kleier und Marcella Bohlke über die aktuelle Befundlage in der im Februar 2018 neu ins Leben gerufenen Beratungsstelle für Werkvertragsarbeiter im Oldenburger Münsterland. Die Anlaufstelle in Trägerschaft des CSW trägt dazu bei, menschenwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen für mobile Beschäftigte zu entwickeln und festzuschreiben. Projektpartner und Kostenträger sind die Landkreise Vechta und Cloppenburg, der Landes-Caritasverband für Oldenburg (LCV) sowie das Bischöflich Münstersche Offizialat (BMO) in Vechta.

„Wir haben in den vergangenen Monaten viele Unternehmen in der Region besucht, in denen in großer Zahl über Subunternehmer, Dienstleister und Werkvertragsunternehmen Arbeitsmigranten beschäftigt sind. Vor allem gelingt es uns aber zunehmend besser, unsere Beratungsleistung an eben jene zu adressieren, die unsere Hilfe konkret brauchen: Die Arbeitsmigranten", sagte Kleier. Diese hätten aber noch stets Vorbehalte, sich zu öffnen. „Sie wissen nicht, welche Rechte sie beispielsweise im Kündigungsfall haben und sind eingeschüchtert", sagte Bohlke und beschrieb dies anhand von konkreten Beispielen.

Auch die Zusammenarbeit mit den Subunternehmern und Dienstleistern gestalte sich schwierig, schilderten die Juristen der Bundestagsabgeordneten. Kleier: „Insbesondere mit Blick auf die prekären Arbeitsverhältnisse haben wir hier in der Region ein strukturelles Problem." Gesetzliche Maßnahmen (Stichwort: Arbeitnehmerüberlassung) wie "equal pay" oder der Anspruch auf Übernahme in das Stammunternehmen laufen oft ins Leere, da Arbeitsverträge zunehmend befristet würden, berichteten Kleier und Bohlke.

Der erhebliche Zuzug von ausländischen Arbeitnehmern – zunehmend mit ihren Familien – stelle die Kommunen in der Region vor große Zukunftsaufgaben nicht nur in Kindergärten und Schulen. Auch hier bestehe großer Integrationsbedarf, so Kleier.

„Ein nach wie vor schwieriges Thema", sagte Sylvia Breher und bat darum, bei grundsätzlichen Erkenntnissen aus der Beratungsstelle für Werkvertragsarbeiter auf dem Laufenden gehalten zu werden.

Heribert Mählmann bedankte sich für den Besuch der Bundestagsabgeordneten und verwies dabei noch einmal auf die Dringlichkeit der politischen und gesellschaftlichen Unterstützung auch bei solch schwierigen Themen.

Über die GITW:

Die im Mai 2009 errichtete „Geschlossene Intensivtherapeutische Wohngruppe" (kurz: GITW) des Caritas-Sozialwerkes St. Elisabeth in Lohne ist die einzige dieser Art in Niedersachsen. Sie verfügt über sieben geschlossene, stationäre Plätze für hoch delinquente, also straffällig gewordene und/oder dissoziale, die Normen missachtende Jungen im Alter von 10 bis 14 Jahren. Weitere zwei Plätze werden als offene Plätze im sogenannten „grünen Bereich" der GITW angeboten. Das Niedersächsische Landesamt für Soziales, Jugend und Familie nimmt dabei einen Aufsichts- und Beratungsauftrag wahr. Die GITW verbindet Leistungen einer Jugendhilfeeinrichtung mit freiheitsentziehenden Maßnahmen im geschlossenen Bereich mit intensiver pädagogischer und therapeutischer Arbeit. Der Einzugsbereich umfasst vorrangig Niedersachsen, kann aber im Bedarfsfall auf das gesamte Bundesgebiet erweitert werden. Die reguläre Verweildauer beträgt in der Regel 6-18 Monate, durchschnittlich jedoch 14,5 Monate. Zielvorgabe des Landes ist ein Jahr. Die Wohngruppe befindet sich in einem im April 2009 neu fertiggestellten und für die Zwecke einer geschlossenen Wohngruppe umgebauten ehemaligen Förderschulinternat auf dem Gelände des Caritas-Integrationszentrums am Rande der Stadt. Zweimal im Jahr findet ein „Runder Tisch" mit ortsansässigen Kooperationspartnern wie Schule, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Polizei und Justiz/Familiengericht, Stadt Lohne, Jugendamt Vechta und niedersächsisches Landesjugendamt statt.

 Über die Beratungsstelle für Werkvertragsarbeiter:

Die Anlaufstelle für Werkvertragsarbeiter im Oldenburger Münsterland in der Trägerschaft des Caritas-Sozialwerkes St. Elisabeth mit Sitz in Lohne trägt dazu bei, menschenwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen für mobile Beschäftigte zu entwickeln und festzuschreiben. Projektpartner und Kostenträger sind die Landkreise Vechta und Cloppenburg, der Landes-Caritasverband für Oldenburg (LCV) sowie das Bischöflich Münstersche Offizialat (BMO) in Vechta. Die als „Hilfe zur Selbsthilfe" angelegte Beratung erfolgt parteilich, unabhängig, muttersprachlich sowie orts- und zeitnah. Sie unterstützt die Betroffenen bei der Wahrnehmung der eigenen Arbeitnehmerrechte. Die Beratungsstelle soll insbesondere Arbeitsmigrantinnen und -migranten in prekären Beschäftigungs- und Wohnbedingungen niedrigschwellig über das geltende Arbeitsrecht sowie über das in der Region geltende Wirtschafts- und Sozialsystem informieren und sie bei konkreten Problematiken und Fragestellungen beraten und begleiten. So dient die Anlaufstelle der Integration und Ermündigung mobiler Beschäftigter. Das Angebot steht allen Menschen - unabhängig von Geschlecht, Konfession und Nationalität - zur Verfügung. Die zentrale Mailadresse der Beratungsstelle ist erreichbar unter: werkvertragsarbeit@caritas-sozialwerk.de.

Copyright: © caritas  2018