Rat und Hilfe

Schulden

Wenn das Geld nicht mehr reicht

Es gibt kaum Bereiche, in denen die Auswirkungen von Ver- und Überschuldung nicht zu spüren sind: in der Arbeit mit Arbeitslosen, Alleinerziehenden, jungen Menschen in Berufsvorbereitung oder mit Suchtabhängigen, um nur einige Bereiche exemplarisch zu nennen.

Für viele Menschen ist das Leben durch ihre finanzielle Notsituation so beeinträchtigt, dass sie für sich keine Perspektive mehr sehen.

Die Soziale Schuldnerberatung leistet hier wichtige Hilfestellung bei der Organisation der Entschuldungsprozesse und versteht sich dabei auch als ein Angebot der persönlichen und wirtschaftlichen Stabilisierung. 

In der Beratung werden die einzelnen Schritte bis zur Entschuldung gemeinsam mit dem Ratsuchenden erarbeitet. Dazu gehört z.B. eine Budgetplanung, die Erarbeitung von außergerichtlichen Regulierungsplänen oder die Einleitung und Begleitung von Verbraucherinsolvenzverfahren (geeignete Stelle gemäß § 305 InsO). Eine Nachbetreuung soll helfen, neue Schuldensituationen zu vermeiden und die Befähigung zum Umgang mit Geld erhöhen.

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Eine junge Frau wird von einer Mitarbeiterin der Caritas beraten / Oppitz / KNA

Beratung

Lebens- und Sozialberatung

Mobbing, Burnout, Arbeitslos, finanzielle Schwierigkeiten...Wenn Probleme den Alltag bestimmen ist die Sicht auf einen Ausweg schnell getrübt. Ein Gespräch hilft, die richtigen Schritte zu erkennen und auf den richtigen Pfad zurückzufinden. mehr

Zum Thema

Jugendliche haben oft Handyschulden

Schuldenfalle: MobilfunkverträgeSchuldenfalle HandyStanislav Tatarnikov, Fotolia

Mit welchen finanziellen Problemen kommen junge Menschen zu Ihnen?
Viele Jugendliche haben ein Problem, mit ihrem Geld zu haushalten. Die meisten kommen zu uns, weil sie Miet- und Energieschulden haben oder die Rechnungen ihres Telefon- und Handyanbieters nicht mehr bezahlen können.

Wie helfen Sie jungen Menschen mit Schulden?
Wir schauen zunächst, wie hoch die Verschuldung ist, und versuchen Lösungen zu finden. Gerade bei Jugendlichen ist die Chance, Schulden abzubauen groß, weil die Höhe der Schulden im Schnitt geringer ist als bei Erwachsenen. Je früher Jugendliche mit ihren Problemen zu uns kommen, desto besser.

Wie hoch sind junge Erwachsene im Schnitt verschuldet?
Die Höhe der Verschuldung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen liegt im Durchschnitt bei 2.500 bis 5.000 Euro. Darüber hinaus gibt es immer wieder Fälle, in denen die Verschuldung die 5.000 Euro Marke deutlich übersteigt. Tendenziell ist der Trend zu erkennen, dass die Verschuldung bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht nur an Umfang sondern auch bei der Höhe der Verbindlichkeiten zunimmt.

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Vergib uns unsere Schulden

Bevor Sie den Gerichtsvollzieher kennen lernen, gehen Sie lieber zur Schuldnerberatung der Caritas.

Nicolas Mantseris freut sich über jeden, der zu ihm in die Schuldnerberatung der Caritas Mecklenburg kommt. Den meisten kann er helfen. Doch der Berater weiß: Vielen fällt dieser Schritt schwer. Scham, Krankheit und Perspektivlosigkeit bremsen sie aus. Wer überschuldet ist, denkt oft: Das schaffe ich auch allein. Doch ohne professionelle Beratung gelingt es den wenigsten, sich auch nur einen Überblick über die eigene Lage zu verschaffen. Mantseris rät deshalb, sich auch schon bei kleinen Beträgen an die Caritas zu wenden: "Kommen sie lieber früh als spät!"

Schuldnerberatungen der Caritas | Online-Schuldner-Beratung der Caritas 

Bis zur Beratung vergehen im Schnitt vier Jahre

Die Zahl der Menschen, die überschuldet sind, steigt bundesweit. Ebenso die Höhe der Schulden, mit denen sie in der Kreide stehen. Laut Statistischem Bundesamt lagen die Forderungen im Jahr 2015 durchschnittlich bei 34.000 Euro. Ratenzahlungen und Konsumverzicht – das sind nur zwei Wege, wie Betroffene versuchen, die Schuldenlast zu mindern. Häufig nehmen sie weitere Kredite auf, um das Schuldenloch zu stopfen. Damit geraten sie in einen Teufelskreis, aus dem die meisten erst nach vier Jahren wieder aussteigen, indem sie zu einer Schuldnerberatung gehen.

Betroffene leiden

Laut einer Studie der Universität Mainz sind überschuldete Menschen häufiger krank. Oft handelt es sich dabei um psychische Erkrankungen wie Angstzustände, Depressionen oder Psychosen und Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen. Häufig kommen soziale Probleme hinzu: Der Kontakt zu Familie und Freunden leidet – was psychische Erkrankungen weiter begünstigt.

Hauptursache: Arbeitslosigkeit

Ein Berater mit zwei KlientenDen meisten Schuldnern hilft eine Beratung. KNA

Bei vielen ist die plötzliche oder langfristige Arbeitslosigkeit der Auslöser für eine Überschuldung. Wenn dann noch Scheidung und Unterhaltszahlungen hinzukommen, bricht das das aus Ratenkäufen und Dispokredit errichtete Kartenhaus vollends zusammen. "Dann wird selbst die Stromrechnung zum finanziellen Desaster", sagt Schuldnerberater Mantseris. Immer wieder erlebt er, dass die Gefühle der Betroffenen in solchen Situationen Achterbahn fahren. Keine gute Voraussetzung, um die eigene finanzielle Lage in den Griff zu bekommen.

Privatinsolvenz als letzte Rettung

Der Gang zur Schuldnerberatung ist für viele der rettende Schritt. Dort gibt es jemand, der die Dinge sortiert, Briefe versteht und erklärt. Oberstes Ziel: Keine neuen Schulden mehr machen. Dazu müssen die finanziellen Belastungen so gestaltet sein, dass sie aus den Einnahmen bezahlt werden können. Deshalb helfen die Berater auch bei den Verhandlungen mit den Gläubigern, die noch Geld zu bekommen haben. Oft wird dabei ein Vergleich ausgehandelt: Der Schuldner bekommt vom Gläubiger mehr Zeit, seine Schulden in kleineren Raten zu begleichen. Wenn auch das nicht mehr hilft, muss ein privates Insolvenzverfahren eingeleitet werden. Auch dabei helfen die Berater der Caritas.
Doch bei der Schuldnerberatung geht es nicht allein ums Geld: "Viele Schulden haben psychische Ursachen wie Sucht oder Depression. Wir arbeiten mit Partnern zusammen, die für solche Probleme geschult sind und gezielt helfen können", erklärt Berater Mantseris. Seine Erfahrung zeigt: Wenn Menschen bereit sind, auch diese Themen zu bearbeiten, haben sie die Kraft und Motivation ihren Schuldenberg abzutragen.

„Ich hatte die rosarote Brille auf“

Junge Frau mit Kleinkind beim SpielenJunge Frauen geraten immer häufiger in die Schuldenkrise. Harald Oppitz / DCV / KNA

Sandra war 19 und glücklich. Zusammen mit ihrem Freund schmiedete sie Pläne. Gemeinsam bezogen sie eine Wohnung und schafften Möbel an. Sandra bezahlte – auf Raten. Anfangs beteiligte sich ihr Freund noch an den Zahlungen. Dass er bereits Schulden hatte, verschwieg er ihr. Stattdessen ermutigte er sie, immer neue Möbel anzuschaffen. "Ich hatte wohl eine rosarote Brille auf", versucht die examinierte Sozialbetreuerin sich ihr damaliges Verhalten zu erklären.

Dann verlor Sandra ihren Arbeitsplatz, und die finanziellen Belastungen wurden zu einem Problem. Hilfe von ihrem Freund bekam sie nicht: Er war selbst zahlungsunfähig. "Ich hatte immer die Hoffnung, dass er mir das Geld irgendwann zurück gibt", sagt sie. Stattdessen stellte er ihr seine neue Freundin vor - und warf Sandra aus der gemeinsamen Wohnung. Er behielt die Möbel, sie die Schulden: mehrere Tausend Euro.

Schamgefühl und Angst vor Ausgrenzung

Zwei Jahre lang war die heute 24-Jährige arbeitslos. Sie öffnete keine Rechnungen und ignorierte Mahn- und Inkassofristen. "Ich habe alles verdrängt", gesteht sie sich heute ein. Die Zinsen für die offenen Ratenzahlungen ließen den Schuldenberg derweil immer weiter anwachsen. Fast täglich riefen die Gläubiger bei ihr an und drohten mit dem Gerichtsvollzieher. In der Hoffnung, nicht mehr unter Druck gesetzt zu werden, unterschrieb sie Zahlungsvereinbarungen, die sie nicht einhalten konnte. "Ich hatte Angst, meiner Familie und Freunden von meinem Problem zu erzählen und sie zu enttäuschen", erzählt Sandra R. Erst als ihre Eltern ihre Briefe abfingen und sie zur Rede stellten, suchte sie sich Hilfe bei einer Schuldnerberatung der Caritas.

Frauen in der Schuldenfalle

Immer häufiger sind es Frauen, die in finanzielle Krisensituationen geraten. Das zeigt der Schuldneratlas 2014: Während der Anteil der Männer an den überschuldeten Privatpersonen seit 2004 gefallen ist, stieg der Anteil der Frauen an. Grund ist die Benachteiligung auf dem Arbeitsmarkt. Immer mehr Frauen sind im Niedriglohnsektor beschäftigt. Um die Erziehung ihrer Kinder zu gewährleisten, gehen sie Leih- und Teilzeitarbeitsverhältnisse ein, die zudem oft befristet sind.

Alleinerziehend und verschuldet

Besonders alleinerziehende Frauen geraten immer häufiger ins finanzielle Abseits. Sind die Kinder jung und brauchen deshalb viel Aufmerksamkeit, können Mütter selten einer geregelten Arbeit nachgehen. Kommen Väter in so einer Situation ihren Unterhaltspflichten nicht nach, wird es für die Betroffenen oft schwer, ihre laufenden Kosten zu decken. "Alleinerziehende sind besonders gefährdet, denn ihnen fehlt Zeit und Kraft, sich auf eine eventuelle finanzielle Krise zu konzentrieren", erklärt Nicolas Mantseris, Schuldnerberater der Caritas in Neubrandenburg. Die Schuldnerinnen seien überfordert, Leidtragende sind auch die Kinder.

Die Zukunft beginnt nach der Insolvenz

Vergangenes Jahr ging Sandra R. mit Unterstützung der Caritas-Schuldnerberatung in die Privatinsolvenz. Bei diesem gerichtlichen Verfahren werden Betroffene innerhalb mehrerer Jahre vollständig von ihren Restschulden befreit. Für die Schuldner bedeutet das, eine lange Zeit mit wenig Geld auszukommen. Deshalb ist für Sandra R. die Gründung einer eigenen Familie in den kommenden Jahren tabu, obwohl sie inzwischen wieder eine feste Arbeitsstelle gefunden hat. "Erst will ich meine Schulden loswerden, auch um meinen neuen Freund damit nicht zu belasten", sagt sie. Sie sei froh, dass ihre Finanzen durch das Insolvenzverfahren nun geregelt sind. Das Geld, das ihr monatlich bleibt, reicht zum Leben in einer kleinen Einraumwohnung. In der Nähe liegt ein See, dort geht Sandra oft schwimmen. Das empfindet sie als kleinen Luxus und gleichzeitig als großen Ansporn für die Zeit nach dem Insolvenzverfahren. Ihr großer Traum ist es, in den Urlaub zu fahren. Am liebsten ans Meer.  

* Name von der Redaktion geändert

Plötzlich reicht das Geld nicht mehr

Dabei fühlte es sich anfangs natürlich nicht so an. Thilo hatte mit einem Schlag 2.000 Euro zur freien Verfügung und die Raten waren richtig günstig. Im Job gab es eine kleine Gehaltserhöhung, genau richtig, für das Ipad mit der Null-Prozent-Finanzierung. "Zu diesem Zeitpunkt hätte ich aussteigen müssen", sagt Thilo heute in der Rückschau. "Ich habe das Risiko ausgeblendet. Dachte, es wird immer so weitergehen." Zunächst kam aber noch der Versicherungsmakler, der ihm die "vier wichtigsten Versicherungen" ans Herz legte. Damit waren jeden Monat 45 Euro zusätzlich belegt. Thilo wusste, dass es eng war. Und doch lockte das Kamera-Schnäppchen, finanziert mit dem Komfort-Rahmen-Kredit. 

Mietschulden sind das Schlimmste

Heute weiß Thilo, dass er spätestens da nicht mehr Herr der Lage war. "Ich habe total den Überblick verloren." Durch den Dispo versucht er notdürftig die Geldprobleme zu stopfen, beim Kredit setzt er die Rate zwei Mal aus. Mit den letzten 600 Euro schöpft er den Dispo vollständig aus, um das Auto durch den TÜV zu bekommen. Er kann die Versicherungen nicht mehr zahlen, und kommt mit einer Monatsmiete in Verzug. Die Rundfunkgebühren bleiben offen, ebenso die letzte Handyrechnung und der Einkauf mit der EC-Karte ist nicht mehr gedeckt.

An diese Zeit denkt Thilo nicht gerne zurück. "Ich habe mich verkrochen und wusste nicht, was noch kommen soll. Das war hart." Er erzählt niemand davon, schläft schlecht, meldet sich bei der Arbeit öfter krank. Er telefoniert mit den Banken und sucht nach einer Lösung mit der Versicherung. Er spricht auch mit dem Vermieter, doch es gibt keine Lösung. Es sind einfach zu viele Raten.

Klare Gedanken und sortierte Finanzen

Deshalb schnorrt Thilo wieder einmal bei seinem besten Kumpel. Der fragt nach und lässt nicht locker, bis Thilo auspackt. "Er hat mir in den Hintern getreten, in die Schuldnerberatung zu gehen." Dort sortiert Thilo seine Gedanken: Was ist mir wichtig, worauf muss ich achten? Was darf ein Gerichtsvollzieher holen? Dann sortiert Thilo seine Finanzen. Miete und Strom kommen zuerst. Mit dem Vermieter schließt er eine Ratenvereinbarung ab. Er eröffnet ein P-Konto bei einer anderen Bank und gewinnt Zeit sich zu überlegen, ob eine Insolvenz sinnvoll ist oder er mit den Gläubigern Vergleiche schließt und damit schneller schuldenfrei wird.

So beugen Sie einer Überschuldung vor

2 Männer beim Betreten eines HausesDamit Sie nicht in die Schuldenfalle gelangen, gibt es einige Punkte zu beachten.

Sie haben sich Geld von einem Freund geliehen, damit Sie Ihr Konto nicht überziehen müssen? Die Raten für Ihren neuen Fernseher laufen noch zehn Monate? Ihre Eltern haben die erste Rate für das neue Auto vorgestreckt? Unter Freunden und innerhalb der Familie wird geliehenes Geld selten als Schulden wahrgenommen. Das liegt oft daran, dass keine Zinsvereinbarungen oder Rückzahlungstermine vereinbart werden. Das kann fatale Folgen haben, wenn zusätzlich Geld bei der Bank geliehen oder Ratenkäufe für Waschmaschine und Flachbildfernseher abgeschlossen werden.
Kommt es zu einer Überschuldung, werden Freunde plötzlich zu Gläubigern. Sehen Sie von Freunden und Familie geliehenes Geld deshalb von Anfang an als Schulden an und beziehen dies mit ein, wenn sie einen Kredit aufnehmen oder auf Raten kaufen wollen.

Bilden Sie Reserven und bewahren Sie sich finanziellen Spielraum

In wirtschaftlich guten Zeiten sollten unbedingt finanzielle Reserven gebildet werden. Das gibt Ihnen das gute Gefühl, finanziell flexibel zu sein. Als Faustregel gilt außerdem: Der Anteil laufender Ausgaben wie Miete, Nebenkosten oder Verträge sollte nicht mehr als zwei Drittel Ihres Nettoeinkommens betragen, damit Sie in schwierigen finanziellen Situationen nicht sofort auf Ihr Erspartes zurückgreifen müssen.

Aufschieben führt zur Überschuldung

Wer Rechnungen nicht öffnet, schiebt seine finanziellen Probleme auf, während ein Schuldenberg heranwächst. Öffnen Sie Ihre Post deshalb zeitnah und suchen Sie das Gespräch mit Gläubigern. Je eher Sie dies tun, desto eher werden Sie Gehör finden und können Ihre Verbindlichkeiten gegebenenfalls stunden lassen. Auch die Höhe von Kreditraten können unter Umständen durch Verlängerung der Laufzeiten reduziert werden.

Umschulden

Auch wenn es verlockende Angebote gibt: Die Aufnahme eines neuen Kredits zur Tilgung Ihres alten wird in aller Regel teuer. Prüfen Sie deshalb sorgfältig alle Konditionen, Zinssätze und Laufzeiten, bevor Sie sich dazu entschließen. Meiden Sie außerdem private Kreditvermittler. Vereinbaren Sie bei Fragen lieber einen Termin mit einer Schuldnerberatung.